Deutschland – Eine Denkmalsreise

Nach der Vorgeschichte berichte ich nun, natürlich auch in möglichst kurzer Form, über das, was ich ganz persönlich inzwischen mit diesem Denkmal erlebt habe. Im Jahre 1997 (das 200. Geburtsjahr Heinrich Heines) entdeckte ich im „Hamburger Abendblatt“ einen Artikel über die Odyssee eines Heine-Denkmals, der mich neugierig machte. Nach vielen Recherchen stellte ich eine kleine Broschüre zusammen, einmal deutsch, einmal französisch, und da ich so gut wie kein französisch spreche, musste alles „französische“ den Weg über eine Dolmetscherin nehmen. Zum Motto nahm ich mir den Ausspruch von Kurt Tucholsky: „In Deutschland verhält sich die Anzahl der Krieger-Denkmäler zu der Anzahl der Heine-Denkmäler wie die Macht zum Geist.“ In dieser kleinen Broschüre zeichnete ich nun auf, was ich mittels meiner persönlichen Recherchen in Erfahrung bringen konnte. Unter anderem konnte ich feststellen, wie viele Initiativen es schon gegeben hatte, mit dem Ziel, die Statue aus Toulon wieder nach Hamburg zurückzuholen.

 

Eine der Initiativen wollte das Denkmal sogar nach Korfu zurück bringen. Die erste Hamburger Aktion startete der Dichter Hans Henny Jahnn (geb. 17.12.1894, Hamburg, gest. 29. 11.1959, Hamburg). Sie war wie alle folgenden nicht erfolgreich, sonst wären meine Aktivitäten ja überflüssig. Ziemlich blauäugig begann ich meine Broschüre zu verschicken, aber an Adressen, die mir durchaus Sinn zu machen schienen. Z.B. an den 2. Bürgermeister der Stadt Toulon, der für Kultur zuständige Monsieur Louis Soccoja. Ich erhalte auch tatsächlich am 9. Februar 2001 eine Antwort. Aber einen Monat später ist Soccoja bei den Kommunal-Wahlen in Toulon bereits abgewählt. (18. März 2001: Der rechtsextreme Bürgermeister Jean-Marie Chevalier und der Gemeinderat der Front Nationale (FN) wurden abgelöst durch ein Wahlbündnis, dem unter anderen Liberaldemokraten und Neo-Gaullisten angehören. Von 59 Sitzen im Conseil municipal (Gemeinderat) hält das Wahlbündnis jetzt 50 Sitze. Die Amtsgeschäfte von Monsieur Louis Soccoja übernimmt Monsieur Claude Henri Bonnet.) Ich lasse Toulon ein bisschen in Frieden, und versichere mich inzwischen in Hamburg der Unterstützung des 1.Bürgermeister, Herrn Ortwin Runde (Gespräch: 2.Mai 2001) und der Senatorin für Kultur, Frau Dr. Christina Weiss (Gespräch:18.Juni 2001). Beide hatten meine Broschüre erhalten, beide waren von meiner Initiative begeistert und sicherten mir Unterstützung zu.



Am 21. Juni 2001 mache ich dann einen neuen Anlauf Richtung Toulon und verschicke erneut meine Broschüre, nun an den neuen 2. Bürgermeister, Mr. Claude Henri Bonnet.
Ende Juni 2001 gelangt meine Broschüre dann auch in die Hände des Intendanten des NDR, Jobst Plog. In seiner Funktion als Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE war und ist Herr Plog im Hinblick auf meine Aktion natürlich von besonderer Wichtigkeit. Ihm entwickle ich folgendes Szenario: Im Nachvollzug der Orte, die Heine in seinem Vers-Epos „Deutschland – Ein Wintermärchen“ beschreibt, plane ich, das Denkmal mitführend, in den jeweiligen Orten eine „Heine-Lesung“ zu veranstalten. Vor dem jewiligen Theater(oder welchem Veranstaltungsort auch immer) steht der offene LKW mit dem darauf thronenden marmornen Heine. Und zwischen 19:30 Uhr und 19:32 Uhr zeigt der NDR den Bürgermeister der Stadt „XYZ“, der vor diesem Schauplatz steht und in die Kameras hinein erzählt, dass das „Heine-Denkmal“ nicht nur in seiner Stadt angekommen ist, sondern, dass seine Stadt „XYZ“ natürlich auch der schönste Ort der Welt ist.


Herr Plog entgegnete mir damals: „Wissen Sie, Herr Quadflieg, die Tour de France kann jeden Abend einen neuen Sieger vermelden, aber Sie kommen ja jeden Abend immer nur wieder mit Ihrem Heinrich Heine. "Außerdem“, setzte er hinzu, „ist Heinrich Heine nach wie vor in Deutschland nicht unumstritten.“ Und so schlimm es ist: Ich musste ihm recht geben!

 

Resultat jedenfalls war, dass Herr Plog „grünes Licht“ dafür gab, innerhalb des „NDR 3 – Kulturjournals“, eine Dokumentation über meine Bemühungen zu produzieren. Bevor es dazu kam, wechselte in Hamburg, durch die Wahlen vom 23. September 2001 die Regierung. Und um mich der Unterstützung des neuen Hamburger Senats zu versichern, musste ich jetzt wieder völlig neue Kontakte herstellen. Im November 2001 erhielt ich Antwort aus Toulon mit einem eher entmutigenden Inhalt: Man befand sich als nicht zuständig, behauptete aber, die für das Denkmal zuständige Entscheidungsperson ausfindig machen zu wollen.
Im Dezember 2001 wurde in einem Gespräch mit dem Redaktionsleiter des „NDR-Kulturjournals“, Dr. Christoph Bungartz beschlossen, die Aufführung meines Heinrich-Heine-Programms im Heinrich-Heine-Gymnasium in Hamburg-Poppenbüttel am 20. Januar 2002, aufzuzeichnen und als Einstieg zu der geplanten Dokumentation zu benutzen. Die verantwortliche Redakteurin, Frau Sylvia Nagel, ersuchte den Bürgermeister Bonnet in Toulon mehrfach, dem NDR zu einem Interview zur Verfügung zu stehen. Aber Mr. Bonnet verschließt sich dieser Bitte, mit dem Argument, er sei in den gerade anstehenden französischen Präsidentschaftswahlen zu stark involviert.


Endlich erklärt sich Mr. Bonnet bereit, uns am 3. Juli 2002 Rede und Antwort zu stehen.


Und vor den Kameras des NDR erklärt Mr. Bonnet dann: „Die Stadt Toulon sieht juristisch keine Möglichkeit, die einstmals verfügte Schenkung rückgängig zu machen. Es sei denn, es würde ein direkter Erbe der Stifterin (Madame Olivia Bouchard) ausfindig gemacht und diese Person würde in einem Brief an die Stadt Toulon die Rückführung des Denkmals nach Hamburg ausdrücklich befürworten. Für diesen Fall (und nur für diesen Fall) sehe man seitens der Stadt Toulon keine Probleme, sich von dem Heine-Denkmal zu trennen.“


Der Mitschnitt dieses Interviews wurde dann (stark gekürzt) innerhalb der Sendung: „NDR-Kulturjournal“ am Montag, den 15. Juli 2002 gesendet.


 

Die Ausstrahlung dieser Dokumentation setzte einiges in Bewegung: Unter anderem meldete sich der Hoffmann & Campe - Verlag, der anbot, mir Unterstützung widerfahren zu lassen. Dies lehnte ich zunächst ab, weil derselbe Verlag mir bei einer ersten Anfrage vor 4 Jahren, damals eher eine Abfuhr erteilt hatte. Ich besann mich dann aber schnell eines besseren und erbat mir Zugang zum Archiv des Verlages, natürlich in der Hoffnung, dort möglicherweise Hinweise auf die gesuchten Nchfahren der Campe-Dynastie zu erfahren.


Der neuen Sachlage nach, mußte ich ja meine Aktivitäten von der politischen Ebene erneut wieder auf die private Ebene verlagern.

 

Nach Recherchen im städtischen Archiv von Toulon, die trotz der tatkräftigen Unterstützung der dortigen Leiterin, Mme. C. Monge erfolglos blieben, auch darum, weil ich immer nach dem Namen „Bouchard“ suchte, wurde mir jetzt also erlaubt, meine „Fahndungsarbeit“ im Archiv des Hoffmann & Campe-Verlages fortzusetzen. Nach langem, mühsamen Stöbern fand ich schließlich einen winzigen handschriftlichen Vermerk, dem ich entnehmen konnte, dass die Olivia Bouchard eine Tochter gehabt hat. Sie hieß Elise und nach ihrer Hochzeit nicht mehr Bouchard, sondern Elise N.


(Ich nenne hier nur das Kürzel N., weil ich aus taktischen Gründen, den wahren Name noch nicht einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.) Glücklich einen Riesenschritt weitergekommen zu sein, schrieb ich an alle Personen, die in der Region Toulon auf den Namen N. hören, schilderte Ihnen meine Geschichte, und endete mit der Bitte, wenn dieser Lebenslauf mit der Biografie eines ihrer Vorfahren übereinstimmen würde, sich doch bitte bei mir zu melden.



Am 18. August 2002 erreichte mich dann tatsächlich der Brief eines gewissen Frédéric N., der mir schrieb: „Ich glaube, ich bin der Mann, den Sie suchen.“ Es war der Enkel der Gesuchten.


Der anschließende Briefwechsel gestaltete sich dann etwas umständlich, was auch daran lag und liegt, dass ich sämtliche Korrespondenz übersetzen lassen muss. In seinem letzten Schreiben äußerte sich Mr. Frédéric N. dahingehend, dass, wenn das Denkmal überhaupt noch einmal seinen Standort wechseln würde, dieser Wechsel aus dem „Botanischen Garten“ der Stadt Toulon in seinen Garten erfolgen müsse, in den Garten der Villa, die nach seiner Urgroßmutter: „Villa d’Olivia“ heißt. Mein Antwortschreiben vom 22. Januar 2003 lief darauf hinaus, dass ich erklärte, meine Initiative wäre keine private, ich wolle dieses Denkmal keinesfalls in meinem Garten aufstellen, sondern vielmehr der Hamburger Öffentlichkeit wieder zugänglich machen. Ich schickte nun auch ihm meine Broschüre (in französischer Sprache) zu und bat ihn, sich die ganze Angelegenheit unter den neuen Aspekten nochmals in aller Ruhe zu überlegen. Ich verwies auf eine Reaktion von politischer Seite, die er doch bitte abwarten möge, bevor er weitere Entscheidungen trifft. Meine Überlegung war, Monsieur Frédéric durch Briefe hochrangiger deutscher Politiker, davon zu überzeugen, dass seine Entscheidung durchaus von öffentlichem Interesse ist. Ich setzte mich wiederum mit Frau Dr. Christina Weiss in Verbindung, jetzt in ihrer Funktion als Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Der in ihrem Ministerium tätige Ministerialrat, Herr Dr. Matthias Buth gab der Sache dann einen völlig neuen Aspekt. Herr Dr. Buth wies nämlich darauf hin, dass der Bürgermeister in Toulon offensichtlich falsch unterrichtet gewesen wäre: Rein juristisch hätte nur der Beschenkte über die Schenkung zu befinden, jedoch nicht mehr der Spender. Daß hieß für mich strategisch also wiederum: „Kehrt marsch!“

 

Von der politischen Ebene, zu den familiären Zusammenhängen und nun wieder zurück aufs politische Parkett! Ich erbat also bei dem inzwischen in Hamburg amtierenden
1. Bürgermeister, Herrn Ole von Beust (18.9.2003) ein Gespräch und schilderte ihm anhand meiner Broschüre den Verlauf meiner Aktivitäten. Gleichzeitig entwickelte ich ihm meinen Plan, dass ich, für den Fall, dass es mir tatsächlich gelänge, das Denkmal nach Hamburg zu holen, auch bereits einen wundervollen Standpunkt an der Außenalster wüsste, in Front des „Heinrich-Heine-Hauses“. Vor dem Denkmal würde ich mir einen wetterfesten Ständer vorstellen, auf dem man buchartig ein paar metallenen Platten umschlagen könnte, deren Gravuren jedem vorbeikommenden Jogger erzählen, welch abenteuerliche Geschichte hinter diesem Denkmal steckt, wie sehr es europäische Geschichte symbolisiert.

 

Bürgermeister Ole von Beust schrieb dann im Einvernehmen mit Frau Dr. Christina Weiss einen Brief an den 1.Bürgermeister der Stadt Toulon, Mr. Hubert Falco.
Im Gespräch mit der Kultursenatorin Frau Dr. Dana Horáková am 17. Juni 2003 wurde diskutiert, welche Gegenleistung man denn der Stadt Toulon anbieten könne, wenn denn die Stadt sich tatsächlich entschlösse, das Denkmal herzugeben. Man war sich einig darüber, dass Geld, wenn überhaupt, dann nur eine Nebenrolle spielen dürfe, dass im Mittelpunkt der Versöhnungsgedanke, die Völkerverständigung stehen müsse. Es wurde der Vorschlag gemacht, eine Gruppe von Schülern aus Toulon, z.B. eine Woche nach Hamburg einzuladen und hier menschliche Begegnungen zu ermöglichen. Auch flankierende kulturelle Veranstaltungen sollten ins Auge gefasst werden.



Nach der Bestätigung im Amt, die Bürgermeister Ole von Beust durch die Wahl am 29. Februar 2004 erfahren hat, wurde in einem Gespräch mit Herrn von Beust am 23. März 2004 die Adressierung eines weiteren Briefes an den Bürgermeister der Stadt Toulon beschlossen. Dieser Brief wurde dann auch auf den Weg gegeben.


Die Antwot lautete: "Unser" Anliegen würde an die für Kultur zuständigen Gremien der Stadt Toulon weitergeleitet. Leider erst im November 2004 meldete sich das Gremium zu Wort.


Das "Gremium" bestand aus einer Person und war mir bereits bekannt:
Mr. Claude Henri Bonnet, 2. Bürgermwister der Stadt Toulon und zuständig für Kultur.Er erneuerte seinen Standpunkt, daß die Stadt Toulon das Denkmal nur dann freigeben könne, wenn ein direkter Nachfahre der Stifterin im Rathaus erklären würde, daß er ausdrücklich befürwortet, daß Denkmal wieder nach Hamburg zurückkehren zu lassen.


Diesen direkten Nachfahren hatte ich ja bereits ausfindig gemacht. Also nahm ich den Briefwechsel mit Mr. Frédéric wieder auf und - siehe da, der Herr war plötzlich "weich geknetet".
In einem Brief vom März 2005 schrieb er mir, er hätte seinen Standpunkt jetzt geändert: Er sei in letzter Zeit des öfteren in den Park de Mourillon gegangen und hätte nun auch empfunden, daß das Denkmal dort tatsächlich ziemlich "fremd" stünde.


Wörtlich: "Und wenn Ihr Deutsche das Denkmal unbedingt wieder haben wollt, so will ich das nicht länger verhindern."
In Toulon verhandelt man nun wie und wann, das Denkmal freigegeben wird.
Diese Gespräche verlaufen wiederum etwas mühsam, so daß ich meinen Traum aufgeben mußte, am 17. Februar 2006, dem 150. Todestag von Heinrich Heine, die marmorne
Wiedergabe des Dichters erneut in Hamburg enthüllen zu können.


Aber ich bin guter Dinge, es wenigstens noch im Laufe des "Heine-Jahres-2006" zu schaffen.


Ich habe heute mit zwei Briefen nach Toulon die Dinge erneut angeschubst und übe mich weiterhin in Geduld. Bitte tun Sie es auch.
Hamburg, April 2006



Hamburg, 31. Dezember 2007

Das Üben in Geduld hat leider nichts gefruchtet, im Gegenteil. Daher habe ich mich heute schweren Herzens entschlossen, diese Erklärung abzugeben: "Abschiedsbrief"

 

Zehn Jahre ist es her, dass ich, anläßlich des 200.Geburtstages von Heinrich Heine (1797) die vielleicht tollkühne Initiative: „DENK(mal) an Heine“ startete. Nach zehnjährigen intensiven Bemühungen, erkläre ich am 31. Dezember 2007 meine Initiative für beendet. Mehrere Faktoren haben zu diesem Entschluss geführt:


1)
Der 2.Bürgermeister der Stadt Toulon, der für Kultur zuständige Mr. Claude Bonnet hat mitgeteilt, dass im Kultur-Etat der Stadt Toulon für das Jahr 2008 erstmalig (!) ein Sonderposten zur Restaurierung des Denkmals und attraktiveren Gestaltung des Standorts im Botanischen Garten von Toulon bewilligt worden ist. Dieses Statement sollte mir natürlich signalisieren, dass ich somit alle meine Hoffnungen begraben könne.

 

2)
Am 8.Dezember 2007 veröffentlichte die FAZ einen Bericht von Manfred Flügge über die abenteuerliche Odyssee des Heine-Denkmals. (Dankenswerterweise erwähnt er auch meine Bemühungen.) In diesem Essay spricht sich der Autor für den Verbleib des Denkmals in Toulon aus. Seine Argumente sind auch mir immer wieder durch den Kopf gegangen, und wenn ich heute diesen Teil meiner Überlegungen zum Lenker meines Handelns mache, begründet sich das, in nicht ganz schmerzfreien Erfahrungen.


3)
Am 3. Juli 2002 hatte ich im Rathaus von Toulon ein Gespräch mit Bürgermeister Claude Bonnet. Hier knüpfte er die Freigabe des Denkmals an eine Bedingung: Wenn es mir gelänge, den Erben jener Dame (Olivia Bouchard, geb. Campe), die 1949 per Schenkung das Denkmal der Stadt Toulon vermacht hat, ausfindig zu machen, und dieser Nachfahre überdies keine Einwände gegen eine Rückführung des Denkmals nach Hamburg hätte, dann sei, so Mr. Bonnet, die ganze Angelegenheit für die Stadt Toulon kein Problem.


Er hatte wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass es mir, nach geduldigen detektivischen Recherchen gelingen würde, diesen Nachfahren tatsächlich ausfindig zu machen, und diesen dann schließlich auch noch so weit zu überzeugen, einem Abtransport der Statue zuzustimmen.


Alles das allerdings erst nach intensivem Briefwechsel, der lange Zeit geprägt war, von den immer noch vorhandenen Ressentiments der Franzosen den Deutschen gegenüber. Mein Pech, dass der Bürgermeister, konfrontiert mit dem Erfolg meiner Aktionen, sich leider an seine Zusage nicht mehr erinnern konnte oder wollte. Urplötzlich war von: „aus juristischen Gründen nicht machbar“ die Rede. Wie viel Zeit, wie viel Arbeit, wie viel Geld hätte ich mir sparen können. Am Ende kein Erfolg. Enttäuschung!


4)
Enttäuscht auch von anderen: Es gab einige Menschen, die mir jedwede Unterstützung versprochen hatten, als ich ihnen von meiner Initiative erzählte und die leider in Schweigen verfielen, als ich die zugesagte Hilfe in Anspruch nehmen wollte. Das war nicht nur ärgerlich, sondern hat mich oft auch sehr viel Zeit gekostet.


5)

Heinrich Heine hatte seine Gründe ins französische Exil zu gehen. Vielleicht ist es nur konsequent, wenn auch sein Denkmal im französischen Exil verbleibt.
Es ist ja einst nach Frankreich transportiert worden, um es der Zerstörungswut der Nazis zu entziehen.


Soll man es jetzt in ein Deutschland zurückholen, wo inzwischen die Gefahr besteht, dass es erneut besudelt wird ? Wie 1933 !!!
All diese Überlegungen führten mich zum endgültigen Abschied meiner schönen Idee. Was bleibt ?


Meine Frau hatte schon zu Beginn meiner Aktion skeptisch angemahnt:
„Mach dich mit dem Gedanken vertraut, dass du am Ende günstigsten Falls nur erreichst, dass das Denkmal in Toulon entmoost wird.“


Das zumindest kann ich nun tatsächlich für mich in Anspruch nehmen. Und dieses Bewusstsein entschädigt mich auch für den erheblichen Einsatz, den ich über Jahre hinweg geleistet habe, ideel, zeitlich und nicht zuletzt auch finanziell. Als gute Erfahrung kann ich aber auch verbuchen:


Von den vielen, die mir Unterstützung zugesagt hatten, gab es auch einige, die mir tatsächlich geholfen haben. Manchmal taten sie das sogar mit erheblichem Aufwand. Umso stärker ist mein Bedauern, dass uns allen letztlich der Erfolg versagt geblieben ist.


Ein herzlicher Dank sei also gesagt an: (alphabetisch)
Herrn Ole von Beust (amtierender 1.Bürgermeister der Stadt Hamburg)
Dr. Christoph Bungartz (Leiter NDR-kulturjournal)
Frau Prof. Dr. Hannelore Greve (Unternehmerin)
Herrn Ron Jordan (Website-Designer)
Herrn Joachim Krüger (Rechtsanwalt)
Frau Veronika Pilscheur (Übersetzungen)
Prof. Jobst Plog (Intendant des NDR)
Herrn Ortwin Runde (ehedem 1.Bürgermeister der Stadt Hamburg)
Frau Dr.Christina Weiss (ehedem Staatsministerin für Kultur)

 

P.S.
Meine vielfachen Recherchen ließen mich im KZ- Neuengamme auf einen erschütternden geschichtlichen Zusammenhag stoßen:
Olivia Campe, Tochter von Verleger Julius Campe und 1876 in Hamburg geboren, hatte eine Schwester Gabriele, 1874 ebenfalls in Hamburg geboren.
Beide Töchter begleiteten ihre französische Mutter nach Paris, als die Eltern 1881 geschieden wurde.
Olivia Campe heiratete Edmond Bouchard und vermachte das Heinrich-Heine-Denkmal der Stadt Toulon.
Gabriele Campe heiratete Guillaume Saget.
Dieser Ehe entstammt Jean Saget (geb. 21.11.1903), der während der deutschen Besatzung der französischen „Résistane“ angehörte.
Er wurde denunziert, von der SS vehaftet und durch halb Europa geschleppt, um schließlich im KZ-Neuengamme am 16.12.1944 ermordet zu werden.
Ausgerechnet in Hamburg, der Geburtsstadt seiner Mutter.

Hamburg, den 31. Dezember 2007
Christian Quadflieg


„Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte sein ?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein ?

Werd ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand ?
Oder ruh ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand ?

Immerhin mich wird umgeben
Gottes Himmel, dort wie hier,
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.“

( Heinrich Heine: „Aus dem Nachlaß“ und Inschrift am Grabmal in Paris)